Sonntag, 30. März 2014

Minus 46

Nebel

über veilchen, sonne scheint auf's spechtloch, meine laune ist trotzdem gut, es wird wärmer.

Beim spaziergang durch den russenwald stellen wir fest, wie effizient wohngebäude für einige tausend leute abgetragen und zu bodenbelag verarbeitet werden. Und dann?

Wäre da noch die erkenntis, daß die welt doch voller idioten ist und sich gerade in der dialektik des eigenen (idioten-)seins große erkenntis offenbart. Sagt der sohn von Kaspar König im sz-magazin: "Damals wußte kein mensch, was ein kurator ist." Ja! geht mir heute noch so! Und dennoch "Als ich älter wurde, fand ich die partys der künstler am besten." Sagt der König sohn. Soso! Was lernen wir daraus? 

Nachdem der vater in Frankfurt an der Städelschule unterrichtete, war auch klar "was ein kurator ist" und weil die künstlerparties die besten waren/sind, eröffnet man - Johannes König - eine galerie und wird sein eigener kurator. Und das man selbst, Johannes, fast blind ist, wird auch zur geschichte, nicht etwa des nichtsehens sondern zur begründung des kuratierens.

Shit, playing with blinds just hurts.

Donnerstag, 27. März 2014

Minus 45

Frühling?

Irgendwie, eine tendenz vielleicht, eine ahnung, aber frühling? Was schert's den städter und die städterin samt angehängten blagen? Nichts!

Vor den eiscafes und den latte-läden stauen sich die neuesten kinderwagenmodelle, yannick und elsa rennen eisversessen blind über die bürgesteige und passt man selbst nicht auf, schreit einem doch sofort eine sonnenbrille verhaltensregeln zu. Klamotten an und gesichter aufgesetzt als befände man sich am campo di fiori bei römischen 20 grad. Es sind aber nur 9, der campo heißt akazienstrasse, und es sind angestrengte hipstereltern.

Frühling?

Alles, was auf rädern unterwegs ist, bewegt sich wie auf speed oder meth, der individualismus feiert fröhliche urständ und man selbst kommt sich immer älter vor, nur weil man selbst doch ein wenig rücksicht noch walten lassen will.

Also frühling! Shit!

Da wünscht man sich doch nach jenseits des van allen gürtels oder wenigstens in die milchstrasse.



Mittwoch, 26. März 2014

Minus 44

Hier ein guter 

denn manchmal lernt man an stellen dazu, an denen man es nun wirklich nicht für möglich hielt. Mußte mich heute beruflich mit einem parteipolitischen erguß zu traumazentren für unter "postnataler depression" leidenden frauen auseinandersetzen.

Jaja, ich weiß, starker tobak, aber so ist das halt. Habe also nun gelernt, daß es diese spezifische depression gibt und, mehr noch, auch die postnatale psychos (dazu ein ander mal).

Offener mensch der ich bin teile ich mein neues wissen mit meinem alten freund e. Sein kommentar ist mehr als erhellend: "Postnatale depression? Kenn' ich, ich bin seit meiner geburt traurig!"

This is just to say....

Sonntag, 23. März 2014

Minus 43

Freitag, Samstag, Sonntag 

mit whisky-, politik- und familienpsychologisch geschwächtem kopf hinaus auf's land. 
Es geht doch nichts über mittagsschlummer, die welt sieht danach auch nicht anders aus aber der schleier im kopf lichtet sich. 

Immer noch Sky Below im kopf, colours to the blind, nicht das neueste aber offenkundig habe ich in den neunzigern der populärmusik wenig aufmerksamkeit gewidmet. 

Zeichen der sich abschließenden wiedervereinigung: Der letzte ddr-bäcker schließt in fb seinen laden, schade, waren prima ddr-schrippen und ein herrlich gestriger laden, keine latte, kein stehkaffee und die liebenswürdige verkäuferin trug mit großer würde blümchengemusterte zonen-kittelschürzen. Was ein alternativprogramm zu den gegenderten, vermeintlich modebewußten frauen, die mir tagtäglich über den weg laufen. Und kochen geschweige denn backen können die auch nicht. 

Freudenfeuer im garten, freude über den gewonnenen platz und die hitze ist übermäßig. S. pflanzt blaue bomben und berichtet freudig, daß das "hörnle" wieder durch den garten turnt. Bei der fahrt ins benachbarte lychen fällt uns auf, daß im norden brandenburgs von frühling noch kaum die rede sein kann. Zwar schlagen die finken wie verrückt und die forsythien geben ihr bestes aber im wald ist es noch eher wintergraubraun. 

Scahills inside zu blackwater läßt mich schlecht schlafen, die penetration der demokratie durch die mächte der wirtscharft ist weiter fortgeschritten, als ich dachte. Es zeigt sich, daß die konservativen think tanks vor allem in den us of a mit ihren ansätzen der erodierung des staatswesens weiter vorangekommen sind. Und immer noch macht auch bei uns das gespenst die runde, privat sei besser als staatlich. Wie schreibt Scahill?
"While radical privatization is having a devastating impact throughout society, the privatization of the war machine has been lethal"



Da helfen auch keine Sicherungsbojen

Donnerstag, 20. März 2014

Minus 42

Was bleibt?

nach so einer woche kaum etwas - durchatmen, raus auf's land

Minus 41

Ganz wenig

um in würde zu altern:



Und doch so schwierig für viele

Sonntag, 16. März 2014

Minus 40

Wind

verstärkt die unschärferelation, vor allem beim sehen, die natur jedoch wird lauter, bei de Toqueville schreit sie in die stille, die das sinnkonditionierte ohr empfindet.

Die märkischen kiefern vor meinem fenster beugen sich dem wind, dem sturm, sie zelebrieren ihre biegefähigkeit im orkanischen luftkonzert. Der ton schwillt an und ab, den kontrapunkt bilden die in schneller abfolge sich darüberlegenden fetzen von sonnenlicht.

Der reisende findet keine spuren seiner französischen landsleute auf der insel im oneida, umso stärker prägt sich ihm der zufluchtsort ein. de Toqueville sucht kein paradise lost, er zeigt die gewaltigen einflüsse der zivilisation selbst in den entlegensten winkeln amerikas ohne sie zu beklagen, denn er weiß, dies ist der pfad der entwicklung.

Derweil stürmt es im nordbrandenburgischen was das zeugt hält. S. flüchtet vor der gartenarbeit aus angst, sie würde weggeweht. Es zeigt sich erstes gelb an des forsytien, zart nur, aber immerhin.



Donnerstag, 13. März 2014

Minus 39

Mal sehen

die erste woche nach längerem ausfall ist rum, anja bietet argentinisches angus als mietzahlung an, s. ist in ihrer ausgewogenheit ein wahrer sonnenschein und b. quält sich mit ähnlichen unsicherheiten, wie sie mich die letzten wochen auf trab hielten.

Entscheidend ist jedoch, daß der allmediale strafprozess gegen den wurstfabrikanten aus bayern mit einer haftstrafe endet und damit endet auch hoffentlich die bigotte berichterstattung samt postings und kommentierungen. Witzig fand ich, daß im zuge des strafverfahrens und der public coverage niemand mal auf die idee kam, zu fragen, ob die zugrunde gelegte gier als movens des wurstfabrikanten nicht systemisch angelegt ist.

Seit guten zwanzig jahren, jaja, rot/grün, tobt der sozialstaatvernichtende individualismus derer, die früher mal als aufsteiger bezeichnet wurden in tateinheit mit den austeritätsapologeten. Kein wunder, daß sich die, die ohnehin genug haben, legitimiert sehen dies auf kosten der anderen noch weiter zu mehren. Eine politik, die sich samt und sonders der finanzierungsminimierung durch steuerentlastung der eliten verschrieben hat, bringt dann solche kinder hervor.

Währenddessen diskutieren von quotenfrauen dominierte arbeitskreise diskriminierungsfragen und verleugnen dabei die strenge realität, die im parlamentarischen durchsetzungsprozess nur noch solch "weiche" themen erlaubt. Wie sagte der wiesengrund? Es gibt kein richtiges bewußtsein im falschen leben. Gültige wahrheit.

So sieht das paradies dann auch aus:

Dienstag, 11. März 2014

Minus 38

Sonne über preussischem Sandstein

ich sitze über wichtigen beruflichen Fragen und nebenher läuft ein interview mit dem immer noch bewundernswerten joe jackson. Ein abend auf krücken kommt mir in den sinn, an die pa gelehnt in der columbiahalle und als er endlich "is she really goin' out with him" anstimmt, mit brillianter, weil ursprünglicher, band, da weiß ich, daß schlimmste nach dem unfall ist überstanden und hier beginnt das leben nun wieder.

Meine gedanken driften zurück zum laufenden interview und ich breche in spontanes gelächter aus. Die frage nach seinen musikalischen ursprüngen beantwortet er mit "i started violin lessons to escape school sports" und da ist es wieder, die kraft seiner reflexionsfähigkeit. Nein, nicht "i got my first real six string" und ähnlicher kitsch sondern ein profunder pragmatismus.


It wasn't until i went to the royal acadamy that i realised i am working class.

Samstag, 8. März 2014

Minus 37


Endlich!

That summer fields grew high with foxglove stalks and ivy,
Wild apple blossoms everywhere emerald green.

Okay, okay, es ist kein sommerfeld, es ist nicht fingerhut und auch nicht efeu, von apfelblüte ganz zu schweigen, dem smaragd grün kommt es aber nah und es riecht und sieht nach frühling aus und es ist leicht, leicht, leicht.




Und das beste: keine sonnenbrillen, keine superkinderanhänger, keine idioten....only real hardware


Donnerstag, 6. März 2014

Minus 36

Ein schöner tag

denn der Tagesspiegel - für alle, die ihn nicht kennen, daß ist eine angebliche qualitätstageszeitung aus der hauptstadt, vermeldet eine tektonische verwerfung in der selbstverständnistopographie berlins:


Oh weh, nach ein wenig mehr als zwanzig jahren der hysterischen versuche, in die vermeintliche weltliga der metropolen aufzusteigen jetzt das! 

Das Berghain nicht mehr bester club der welt! Für nicht-berliner zur erklärung, das ist eine disko, die berlin an die münchner einlasskontrollen gewöhnt hat. Natürlich nur, um möglichst keine spiesser hinein zu lassen.

Der tagesspiegel fragt jedoch, ob eine metropole (sic!) dauerhaft den charme des unfertigen und anarchischen bewahren kann und verweist auf so kleinbürgerliche idyllen wie die prinzessinengärten am moritzplatz als ökologisch-sozialen utopia-selbstversuch. Ja, mit bindestrich!

Als ob nach fast 200jähriger kleingartenevolution nicht dort schon die utopia dem entfesselten spiessertum gewichen ist. So wie das berghain immer schon der spielplatz metropolitaner spiesser war.

Ich auf jeden fall freue mich fürderhin dem abschwellenden bocksgesang auf vegane hipster lauschen zu dürfen und vielleicht treibt das mittelfristig auch all die hippen sonnenbrillenmanufakturen in die insolvenz.


Don't you ever wash that thing?


Mittwoch, 5. März 2014

Minus 35

Dialektik der aufklärung


ein veganes brötchen vom biobäcker mit italienischer mortadella.

Kalendereintrag vom 21. Juli 1996: Frühstück im norfolk, durch regen und nebel über den rand des rift valley runter nach nakuru, hühnchen und piripiri im midland hotel, dann durch teeplantagen mit roten haaren richtung homa bay, fish+chips+tusker+entertaining music we call it im hippo buck. Was für tage....



Montag, 3. März 2014

Minus 34

City hipster skills

Bart wachsen lassen nützt nichts, es fehlen die richtigen klamotten, dass gefakte retro-rennrad, und so fort, und so fort. Allein, ich könnte in den neuen SMEG-shop in der kantstrasse gehen und mich dort ausstatten lassen.

Nun, nicht mich, nur meine küche. Aber dort findet man sie, all diese retro-gemahnenden geräte, don draper hätte seine freude daran, in all diesen bonbonfarben, die einen anschreien "so bist du!". Dann doch besser doch nicht....